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Artgerechte Ernährung? Was können wir von Schimpansen lernen?

Schimpansen werden fälschlicherweise als typische Omnivoren bezeichnet - und auch so wahrgenommen. Dies hat einen Einfluss darauf, wie wir Menschen unsere eigene Ernährung betrachten. Erfahre was wir von den Schimpansen lernen können!

Dies ist eine Übersetzung aus dem Englischen. Den Original-Artikel findest du hier.

Die Ernährung unserer nächsten lebenden Verwandten sollte zweifellos mehr Beachtung in der Ernährungswissenschaft finden, da sie uns hilft, unsere eigene artspezifische Ernährung zu kennen!

Entfremdung von der Natura und natürliche Ernährung

Wir leben so weit von der Natur entfernt, dass wir uns über die menschliche Ernährung nicht mehr im Klaren sind. Der Grund für diese Orientierungslosigkeit ist, dass wir nicht in unserem ursprünglichen natürlichen Lebensraum leben. Durch unsere technische Fähigkeiten haben wir die Einschränkungen, welche natürlicherweise durch unsere Biologie gegeben wären, überwunden: Wir erweitern unsere natürlichen Nahrungsquellen, bzw. schaffen neue Nahrungsquellen, durch Erhitzen, Würzen und anderer Verarbeitung von Essen, das eigentlich keine natürliche Nahrung für uns ist. Diese Manipulation verändert jedoch die natürliche chemische Zusammensetzung und Moleküle (z.B. Protein-Denaturierung), welche unser Körper nicht kennt und daher eine Immunantwort bilden muss.

Getreide und Hülsenfrüchte zum Beispiel sind in ihrem natürlichen, rohen Zustand nicht essbar. Durch die Veränderung von Lebensmitteln in ihrem natürlichen Zustand wird unser instinktives Wissen ausgetrickst und eine ansonsten ungenießbare Materie schmackhaft gemacht.

Wir müssen unsere unmittelbare Umwelt extensiv verändern und durch kulturelle Anpassung Bedingungen schaffen, die es uns ermöglicht zu überleben. Aus diesem Grund wird unsere Lebensmittelauswahl heute stark von kulturellen Gewohnheiten – und nicht von natürlichen Instinkten – beeinflusst.

Diese Abwendung von der natürlichen Lebensweise hat jedoch einen hohen gesundheitlichen Preis, denn sie bedeutet auch eine Abkehr vom natürlich entwickelten evolutionsbiologischen Gleichgewicht zwischen der Biochemie des Körpers und der natürlichen Umwelt – also auch der passenden Zusammensetzung der Nahrung für unseren Körper.

Was können wir also tun? Angesichts unserer genetischen, anatomischen und physiologischen Ähnlichkeiten ist es zweifellos plausibel, dass wir von den Schimpansen etwas über unsere Ernährung lernen können. Und – anders als wir – sind sie instinktiv klüger und halten sich in ihrem natürlichen Lebensraum an die Natur und folgen den natürlich evolvierten Gegebenheiten.

Die Ernährung der Schimpansen hilft uns, die menschliche Ernährung zu verstehen

Schimpansen sind in ihrem wilden, natürlichen Lebensraum zu beobachten. Anders als beim Menschen können wir studieren, welche Nahrungsmittel die Tiere in der Natur wählen – roh und unverändert. Im Gegensatz dazu hat der Mensch einen zivilisatorischen Filter geschaffen, der unsere Sicht auf die biologisch geeigneten Nahrungsmittel des Menschen trübt. Es ist so weit gekommen, dass wir viele der modernen Lebensmittel, die wir täglich zu uns nehmen, nicht mehr roh und ungewürzt essen würden!

Daher ist eine realistische Darstellung der Ernährung von Schimpansen von großer Bedeutung dafür, wie wir uns eine gesunde menschliche Ernährung vorstellen! So führt beispielsweise eine verzerrte Wahrnehmung des Fleischkonsums (und allgemein der Lebensmittelauswahl) von Schimpansen zu einer irreführenden Förderung einer fleischreichen, omnivoren Ernährung beim Menschen! Schimpansen jagen zwar, essen aber viel weniger Fleisch als wir in der durchschnittlichen menschlichen Ernährung finden – Schimpansen essen 1-2% Fleisch, während eine typische “moderne” Ernährung von Menschen fast 20% Fleisch enthält.

Die Ernährung der Schimpansen kann helfen unsere Nahrungsmittel und andere Umweltfaktoren des “modernen” Lebensraums, in einem vergleichenden Ansatz, kritisch zu betrachten und zu korrigieren (siehe unten).

Um unsere natürliche Ernährung besser zu verstehen, müssen wir zunächst mehr darüber wissen, wie die typische Schimpansen-Nahrung aussieht:

Schimpansen sind Fruchtesser- der Mensch auch?

Schimpansen werden als frugivore Omnivoren eingestuft, und in der wissenschaftlichen Literatur werden die Primaten als Frugivoren bezeichnet: spezialisierte Fruchtfresser.

Schimpansen können zwar – wie der Mensch – Pflanzen und tierische Nahrung zu sich nehmen, aber in der Wildnis essen sie überwiegend reife Früchte. Früchte sind ihre bevorzugte Nahrung! Lese hier mehr über Schimpansen-Nahrung.

Schimpansen werden sowohl als Omnivoren als auch Frugivoren eingeordnet!

In der Wildnis besteht ihre Nahrung zu 96 % aus pflanzlichen Lebensmitteln, davon 70 % aus reifen tropischen Früchten. Fleisch macht nur 1-2 % aus.

Je nach Verfügbarkeit von Früchten suchen Schimpansen nach anderen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln wie Insekten, Eiern und Fleisch. Der beobachtete Anteil an tierischer Nahrung an ihrer Ernährung ist jedoch winzig, und die Fleischmenge ist vernachlässigbar… oder scheint manchmal sogar nicht vorhanden zu sein. Die meisten tropischen Affen und Menschenaffen sind Frugivoren.

Der Mensch hat offensichtlich viel mit dem Schimpansen gemeinsam, denn wir sind sehr eng mit ihm verwandt – aber wie sieht es mit der Ernährungsweise aus? Es stellt sich die Frage: Sind wir von Natur aus auch Frugivoren?

Ein Vergleich zwischen uns und Schimpansen zeigt, dass dies tatsächlich ein sehr wahrscheinliches Szenario ist:

Auch der Mensch ist ein tropischer Frugivore

Menschen und Schimpansen teilen viele biologische Merkmale, die mit der Nahrungssuche und Ernährung zusammenhängen, wie z. B. die Form der Hände, die Rezeptoren für den süßen Geschmack, die Verdauung, die Zähne, die Stoffwechsel und andere Merkmale, die sich mit dem spezialisierten Fressen von Früchten entwickelt haben (lese mehr hier).

Daher können wir im Bezug auf Ernährung viel von Schimpansen lernen, wie dies K. Milton (1999) vorschlägt: “Anthropoide, einschließlich aller Menschenaffen, ernähren sich überwiegend von Pflanzen, und es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass der Mensch von einem stark pflanzenfressenden Vorfahren abstammt. Obwohl sich die Proportionen des Darms unterscheiden, sind die Gesamtanatomie des Darms und das Muster der Verdauungskinetik von Menschenaffen und Menschen sehr ähnlich.”

“Anthropoids, including all great apes, take most of their diet from plants, and there is general consensus that humans come from a strongly herbivorous ancestry. Though gut proportions differ, overall gut anatomy and the pattern of digestive kinetics of extant apes and humans are very similar.”

K. Milton

Vergleich zwischen der Ernährung von Schimpansen und der “normalen” menschlichen Ernährung

Der Vergleich der Ernährung von Schimpansen mit der unseren ist komplex, wobei das Hauptproblem die Entfremdung von der Natur und die Qualität der Nahrung ist: Schimpansen leben noch in ihrem natürlichen Lebensraum, in tropischem Klima (Sonnenschein) und mit wilden Nahrungsquellen. Wir Menschen tun dies nicht, was Auswirkungen auf eine artgerechte Ernährung hat!

So haben Wildfrüchte, die von Primaten verzehrt werden, ein anderes Kohlenhydratprofil (höherer Fruktose- und niedrigerer Saccharosegehalt) und einen höheren Gehalt an Mikronährstoffen, Proteinen und Ballaststoffen als Kulturfrüchte. (K. Milton; 1999).

Schimpansen jagen zwar, essen aber viel weniger Fleisch als die durchschnittliche menschliche Ernährung – Schimpansen essen 1-2 % Fleisch, während die Durchschnittsernährung (USA) des Menschen fast 20% Fleisch enthält. (Obwohl diese genauen Daten aus dem Jahr 1988 stammen, zeigt die Berechnung aus den letzten Jahren, dass der Prozentsatz ungefähr gleich bleibt). Darüber hinaus verzehren Menschen etwa 10 % Milchprodukte und haben oft Getreide und gekochte Lebensmittel als Hauptnahrungsmittel. Im Gegensatz dazu ernähren sich Schimpansen ausschließlich von Rohkost, mit Früchten als Kohlenhydratquelle – anstelle von komplexen Kohlenhydraten aus Getreide.

Food TypeChimpanzeeHuman
Tropical Fruits70%depends on area
Temperate Fruitsnonedepends on area
Fruit Vegetablesnone
Nuts and seeds5%highly individual
Greens / leaves /sprouts21%2
Roots (starchy vegetables)?
Flowers4%
Grains / legumesnone
Meat (incl. poultry & fish)usually 1-2%320%1
Insects4,2%2
Eggs1%32-3%1
Dairynone10%1
total animal products6%236%1
Cooked foodsnoneusually 30-80%
Raw foods100%4usually 20-70%
Processed foodsnonehighly individual
Tabelle: Vergleich der Trends in der durchschnittlichen Ernährung eines erwachsenen Schimpansen und eines erwachsenen Menschen. Die Tabelle ist schwer zu vervollständigen und nicht exakt, da die Ernährung von Mensch und Schimpanse unterschiedlich ist. Die wichtigen Unterschiede sind jedoch offensichtlich und helfen uns zu beurteilen, wie nahe unsere eigene Ernährung der eines Schimpansen kommt! 1 ncbi.nlm.nih.gov; 2 wildchimps.org; 3 frugivorebiology.com; 4 nationalgeographic.com

Schimpansen ergänzen ihre Nahrung auf natürliche Weise mit mineralstoffreichem Material (siehe hier) und es wurde auch beobachtet, dass sie sich selbst mit Kräutern behandeln (siehe hier).

Was bedeutet das alles für die menschliche Ernährung? Wir können Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten vergleichen, um etwas über eine natürliche frugivore Ernährung zu lernen. Und wir können uns auch auf unsere natürlichen Instinkte verlassen, wie es Tiere tun, indem wir uns fragen: Würde ich ein kleineres Wirbeltier jagen und essen und es roh verzehren, wie es ein Schimpanse tut? Die meisten von uns würden dies nur tun, wenn nichts anderes zur Verfügung stünde. 

Beispiel: so könnte eine frugivore Ernährung des Menschen aussehen

Dies ist ein Beispiel für einen Tag mit frugivoren Mahlzeiten von ca. 2000-2500 Kalorien pro Tag:

  • Eine Açai-Bowl mit 200 Gramm Açai-Beeren und 3 Bananen, dazu Grünzeug und Chiasamen (650-700 Kalorien)
  • Eine Handvoll Paranüsse (150-200 Kalorien)
  • Eine Banane und eine Mango als Zwischenmahlzeit (200-250 Kalorien)
  • Eine Obstmahlzeit mit verschiedenen Obstsorten (300-400 Kalorien)
  • Eine Handvoll Pekannüsse (150-200 Kalorien)
  • Ein großer grüner Salat mit Avocado und Mangos (300-400 Kalorien)
  • Bananen-Smoothie mit Kokosnussmilch (250-350 Kalorien)

Wenn wir dies mit Schimpansen vergleichen, sehen wir, dass bei einer rohen, pflanzenbasierten Ernährung in der Natur große Mengen an Nahrung aufgenommen werden: Schimpansen fressen in freier Wildbahn etwa 3-6 Kilo Nahrung – abhängig von der Art der Nahrung und dem Körpergewicht (eine große Bandbreite zwischen 25 und 70 kg)! Sie fressen etwa 80 verschiedene “Nahrungsmittel” und essen im Grunde den ganzen Tag über…!

Warum essen die Menschen so, wie sie heute essen?

Der Mensch kann als kultureller Omnivore und biologischer Frugivore bezeichnet werden. Der Mensch hat bestimmte Eigenschaften und Merkmale, die auf den Verzehr von Früchten spezialisiert sind (lesen Sie hier mehr).

Der Mensch hat die Verarbeitung von Lebensmitteln, wie Kochen, Mischen und Würzen, erfunden und übernommen, um ansonsten ungenießbare Lebensmittel in kalten Gebieten, in denen Früchte nicht reichlich vorhanden und nahrhaft genug sind, um größere Primaten zu ernähren, essbar und schmackhaft zu machen. Wir müssen bedenken, dass der Mensch eine tropische Spezies ist!

Wir haben immer noch keine bedeutenden Anpassungen an gekochte Lebensmittel, außer einer höheren Toleranz gegenüber der damit verbundenen Toxizität.

Die Inuit sind ein Beispiel dafür, dass sie rohes Fleisch in ihre Ernährung integriert haben, weil es in ihrer rauen Umgebung keine Vegetation gibt, die eine frugivore oder pflanzliche menschliche Ernährung ermöglicht. Unter diesen Bedingungen ist ein hohes Durchschnittsalter nicht möglich. Daher ist Fleisch für den Menschen ein Überlebensmittel – keine primäre Nahrungsquelle!

Stattdessen ist der Mensch biologisch an den Verzehr von Früchten angepasst und hat sich mit tropischen Früchten als Hauptnahrungsquelle entwickelt!

Fazit: Menschen und Schimpansen sind sich in Bezug auf ihre Ernährung sehr ähnlich

Der Mensch ähnelt seinen engsten Verwandten in vielen Aspekten – auch in seiner Ernährungsbiologie! Deshalb ist es für das Verständnis unserer eigenen Ernährung wichtig, ihre Ernährung und deren Klassifizierung zu kennen! Wenn wir unsere Sichtweise vom Allesfresser Schimpanse zum Genügsamkeitsfresser Schimpanse ändern, hat das große Auswirkungen auf die menschliche Ernährungsökologie. .

Die Kenntnis der Ernährung unserer nächsten lebenden Verwandten hilft uns zu verstehen, welche Nahrungsmittel am besten zur menschlichen Biologie passen.

Menschen und Schimpansen teilen auch viele Anpassungsmerkmale, die uns als Fruchtfresser auszeichnen. Aber sind wir immer noch so genügsam wie Schimpansen? Mehr Wissenschaftler sollten sich diese wichtige Frage stellen! Und als Folgefrage: “Was können wir von der Ernährung wildlebender Primaten lernen?”. Zitat von K. MiltonNature (1999)

Ist eine fruchtbasierte, tropische Ernährung die für unsere Biologie am besten geeignete Ernährung? Vieles deutet darauf hin, dass dies der Fall sein könnte! Und in der Praxis wächst die Zahl der Menschen, die eine fruchtreiche Ernährung praktizieren, und sie berichten von enormen gesundheitlichen Vorteilen! 

An der Ernährung der Schimpansen ist definitiv etwas dran! Einen detaillierteren Einblick in die menschliche fruchtbasierte Ernährung findest du in diesem Artikel hier:

Gehe zu: Fruchtbasierte Ernährung Guide

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References

  1. Milton, K. (1999) “Nutritional characteristics of wild primate foods: Do the diets of our closest living relatives have lessons for us?,” Nutrition, 15(6), pp. 488–498. Available at: https://doi.org/10.1016/s0899-9007(99)00078-7. (link)
  2. Foundation, W.C. (no date) What do chimpanzees eat?WCF | What they eat. Available at: https://www.wildchimps.org/about-chimpanzees/what-they-eat.html (Accessed: April 4, 2023).
  3. Current trends in consumption of animal products – NCBI bookshelf (1988). Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK218176/ (Accessed: April 4, 2023). (link)
  4. Lemonick, M.D. (2021) Chimps can’t Cook, but maybe they’d like toAnimals. National Geographic. Available at: https://www.nationalgeographic.com/animals/article/150602-chimp-cooking-evolution-human-brain-science (Accessed: April 4, 2023).
  5. Chimps use clay to detox and as a mineral supplement, University of Oxford. (2015)  Available at: https://www.ox.ac.uk/news/2015-07-29-chimps-use-clay-detox-and-mineral-supplement (Accessed: April 4, 2023). (link)
  6. J. Shurkin, Animals that self-medicate, PNAS (2014). Available at: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1419966111 (Accessed: April 4, 2023). (link)

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Martina Spaeni Lima, MSc

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